Frédéric Léglise  Fortsetzung

 Der 1972 in Nantes geborene Frédéric Léglise absolvierte die ENSBA (École Nationale Supérieure des Beaux-Arts) und lebt und arbeitet derzeit in Paris. Außerdem ist er Professor an der Kunstakademie in Grenoble (ESAD-GV - École Supérieure d'Art de Grenoble - Valence). In den frühen Phasen seiner Arbeit war er eher ein abstrakter Maler, nachdem er verschiedene Medien wie Skulptur und Installation ausprobiert hatte. Während seiner abstrakten Zeit war er stark beeinflusst von Willem de Kooning, einem Künstler, der mehr als oft Stilpluralismus forderte und der der Ansicht war, dass Kunst keinen einzigartigen Stil haben sollte. Léglise‘ Hauptthemen - Frauenporträts, Nacktheit und Selbstporträts - scheinen nur auf den ersten Blick klassisch zu sein, da der künstlerische Ansatz eher zeitgemäß ist. Obwohl es eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem gemalten Charakter und dem Modell gibt, gehören diese Porträts nicht zum realistischen Genre. Die Fotografie mag durchaus der Ausgangspunkt seiner Bilder sein, dennoch werden verschiedene „Arbeitswerkzeuge“ hinzugefügt, um die Erzählung seiner Leinwände zu schaffen.

Die Charaktere werden aus ihrem ursprünglichen Zugehörigkeitskontext herausgelöst, jede Verbindung mit der erkennbaren Realität verschwindet. Anfänglich in weißen Räumen platziert, sind diese Zeichen von Zeit- und Raumdimensionen „enthoben“ und so erscheint die Figur isoliert und der Raum um das Modell verwandelt sich in eine lichtreflektierende Oberfläche. Der Künstler „transformiert“ den Hintergrund, vor dem das Modell abgebildet ist: So wird beispielsweise das Drapieren des Bettes zu abstrakter Tinte. Darüber hinaus manipuliert Leglise die Perspektive seiner Figuren, die in seiner jüngsten Kreation durch den Raum zu schweben scheinen. Die geometrischen und floralen Muster auf den Tüchern seiner Modelle unterstreichen die Bildhaftigkeit seiner Arbeiten.

Frédéric Léglise bringt figurative Malerei zurück und ist wie andere Künstler wie Alex Katz, Karen Kilimnick, Elizabeth Peyton, Matthew Cerletty, Ridley Howard und David Hockney stark vom Kino beeinflusst. Seine kleinen Porträts werden zu Kinonahaufnahmen, die - wie im Kino - ein Höchstmaß an Intimität schaffen.

 

Die Ausstellung „Artist and Model” zeigt selektiv vier Schaffensstufen des Künstlers: die abstrakte Periode, die weiße Periode, die intensivere Farbsequenz seines Schaffens (nach dem Aufenthalt im MANA Center, New York) und die Selbstporträts des Künstler. Seit 2010 konzentriert er sich vor allem auf die Darstellung asiatischer weiblicher Figuren (beeinflusst von seiner Lebenspartnerin, die eine chinesische Künstlerin ist).

 

 In der Beziehung zwischen Künstler und Modell spielt der Identifikationsprozess eine wichtige Rolle. Der Künstler mischt sich in einen fließenden und ambivalenten Prozess ein, der sich ändern kann. Eine wichtige Rolle spielt der Blick des Künstlers auf das Modell (das ein wesentlicher Bestandteil der Analyse des gesamten Prozesses ist).

 

  Das Werk von Frédéric Léglise steht im Zeichen der Authentizität, deren zentrales Element die weibliche Figur ist. Für den Künstler ist Malerei „ein Akt der Liebe“ und durch die Sinnlichkeit der Frauen, die er repräsentiert, zeigt er tatsächlich die Sinnlichkeit des Gemäldes.